Onboarding - Darauf kommt es an beim Berufseinstieg frühpädagogischer Fachkräfte

Ob dieser Sozialisationsprozess gelingt, hängt sowohl von der Organisation und den Teams als auch von den neuen Mitarbeitenden selbst ab. Neben persönlichen Faktoren spielen insbesondere eine strukturierte Einarbeitung bzw. Onboardingstrategien sowie das Verhalten von Führungskräften und Kolleginnen und Kollegen eine wichtige Rolle. Während die Forschung in anderen Berufsfeldern bereits bedeutsame Langzeiteffekte von gelingendem Onboarding nachweist, liegen für frühpädagogische Fachkräfte bislang nur wenige empirische Erkenntnisse zu dessen Verlauf und langfristigen Auswirkungen vor.
Welche Formen des Onboardings machen in der Praxis den Unterschied?
Auf Seiten der Arbeitgeber lassen sich verschiedene Strategien des Onboardings unterscheiden -sogenannte „Sozialisationstaktiken“. Soziale Taktiken wie Unterstützung, Anleitung und positives Feedback seitens erfahrener Kolleginnen und Kollegen fördern Sicherheit und Zugehörigkeit der neuen Mitarbeitenden. Zu inhaltlichen Taktiken gehören klare Einarbeitungsphasen und strukturierte Abläufe, während kontextbezogene Taktiken das Lernen der neuen Aufgaben und Anforderungen vor Beginn der Tätigkeit ermöglichen, etwa durch Schulungen.
Die Daten zeigen, dass beim Onboarding am häufigsten soziale Taktiken eingesetzt werden: Nachwuchskräfte berichten von Unterstützung, Wertschätzung und Akzeptanz durch Kolleginnen und Kollegen sowie den Arbeitgebern. Inhaltliche Taktiken sind dagegen etwas schwächer ausgeprägt, insbesondere kontextbezogene Taktiken finden sich bei der Einarbeitung nur selten. Das deutet darauf hin, dass Einarbeitung oft noch nicht ausreichend strukturiert ist und Vorbereitungsmaßnahmen fehlen.
Soziale Taktiken erweisen sich dabei als besonders wirksam, da sie die wahrgenommene Rollenklarheit (Verständnis von Aufgaben, Prioritäten und zeitlicher Einteilung), Aufgabenbewältigung (Erlernen der Tätigkeit und Gewinnen von Vertrauen in die eigene Rolle) und soziale Integration neuer Mitarbeitender (Gefühl, von Kolleg:innen gemocht und akzeptiert zu werden) fördern. Auch inhaltliche Taktiken sind wichtig und unterstützen vor allem die Rollenklarheit, da sie eine klar strukturierte Einarbeitung sicherstellen. Kontextbezogene Taktiken erweisen sich dagegen als weniger wirksam. Langfristig erhöht ein gutes Onboarding die Arbeitszufriedenheit und stärkt die Bindung an den Arbeitgeber.
Wie lässt sich Belastung beim Berufseinstieg verringern?
Der Berufseinstieg ist eine sensible Phase. Viele Fachkräfte erleben dabei hohe Anforderungen, etwa Zeitdruck, Arbeitsunterbrechungen und einen hohen Arbeitsaufwand. Die Ergebnisse der WiFF-Panelstudie zeigen: Wenn hohen beruflichen Anforderungen nicht ausreichend Anerkennung, Unterstützung, Sicherheit, Gehalt oder Entwicklungsperspektiven gegenüberstehen, kann ein Ungleichgewicht entstehen – eine sogenannte Gratifikationskrise.
Auf Organisationsseite wirken soziale Taktiken, also die soziale Unterstützung, Wertschätzung und Akzeptanz, dem Entstehen einer solchen Gratifikationskrise entgegen. Daneben bergen inhaltliche Taktiken Entlastungspotenziale in sich. Dazu gehören klare Informationen über Aufgaben, Rollenanforderungen und Karriereperspektiven.
Gute Rahmenbedingungen sind zusätzlich wichtig: Ausreichend Vor- und Nachbereitungszeit, eine angemessener Personal-Kind-Relation, verlässliche Vertretungsregelungen und gute Arbeitsmaterialien wirken sich entlastend aus.
Belastung im Berufseinstieg ist daher nicht nur ein individuelles Thema. Die Befunde sprechen dafür, sie auch als Gestaltungsaufgabe im Arbeitsfeld zu betrachten.
Autorinnen: Susanne Wirag, Ulrike Hegemann und Angélique Gessler , WiFF
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